BUB-Autor der Ursprungsveröffentlichung: Günter Sehlhoff, Dipl.-Betriebswirt, Dipl.-Ing.
überarbeiteter Stand: Oktober 2026
Mit dem Gewinn neuer Erkenntnisse wird deutlich, dass Schachtmeister, Poliere, Bauleiter, Kaufleute usw. mehr leisten können, wenn sie die erforderlichen Zusammenhänge und Informationen rechtzeitig erkennen. Wenn sich diese Erkenntnisse zusätzlich mit den Unternehmenszielen verbinden, werden Ressourcen freigesetzt, die in vielen Unternehmen bislang ungenutzt geblieben sind.
Ziele für Selbstorganisation
Selbstorganisation in Unternehmen betrifft in der Regel nicht nur eine einzelne Person. In Unternehmen – bis hin zur Einschalerkolonne – werden sich die Mitarbeiter ihrer gemeinsamen Zielsetzung rasch bewusst, wenn sie die Möglichkeit erhalten, sich selbst zu organisieren. Denn Gruppen sind grundsätzlich zielorientierte soziale Systeme, wenn ein gemeinsames Ziel vorgegeben ist. Inhalt und Geschwindigkeit der Zielorientierung hängen dabei wesentlich von der Fähigkeit der Gruppenmitglieder ab, Zusammenhänge zu erkennen und diese Fähigkeit durch Übung weiterzuentwickeln.
Immer mehr Unternehmer und Führungskräfte stellen fest, dass Entscheidungen, die ausschließlich von Einzelpersonen getroffen werden, häufig nur unvollständige oder unzureichende Lösungen hervorbringen. Doch wie kann Zielorientierung im jeweiligen Unternehmen gelingen?
Der Sozialpsychologe Josef P. Forgas stellt fest: „Sind Menschen längere Zeit für sich unkontrollierbaren Einflüssen ausgesetzt, werden sie passiv und stellen jeglichen Versuch ein, ihr Geschick in die eigene Hand zu nehmen.“
Leider gibt es in Unternehmen noch immer zu viele einsame Alleinentscheider. Eine mögliche Abhilfe bietet die Gruppenarbeit. In Gruppen können Regeln, Inhalte und gemeinsame Beschlüsse entwickelt werden, beispielsweise für die Arbeitsvorbereitung. Neben den Hilfsmitteln, die im Rahmen der Selbstorganisation gemeinsam erkannt und bestimmt werden, sollte auch eine bessere Ablauforganisation entwickelt, beschlossen und umgesetzt werden.
Positive Wirkungen entstehen dabei aus einem nutzbaren Erkenntnisprozess und in dessen weiterer Folge aus der natürlichen Identifikation der Beteiligten mit den gemeinsamen Zielen. Darauf aufbauend sollte das Streben der Mitarbeiter nach einem gemeinsamen Ziel bewusst einbezogen und anerkannt werden.
Erkennen und verstehen
Ein Erkenntnisgewinn bezieht sich zunächst nicht darauf, ob ein Ingenieur, Betriebswirt, Kranführer, Polier, Facharbeiter usw. gute oder weniger gute Leistungen erbringt. Jede Zusammenarbeit beinhaltet zugleich ein gewisses Maß an sozialer Beeinflussung.
Mit jeder geäußerten Meinung, mit jeder Bitte, die an einen anderen Menschen gerichtet wird, und mit jedem Verhalten, das Menschen einander entgegenbringen, üben sie einen mehr oder weniger starken Einfluss aufeinander aus. Diese Interaktionen können sehr unterschiedlich sein – je nachdem, ob sie zwischen einzelnen Mitarbeitern oder innerhalb einer Gruppe stattfinden.
Konformität und Führung sind deshalb als wesentliche Beispiele für Gruppenprozesse zu verstehen. Im Unternehmen brauchen wir Möglichkeiten, durch die solche Prozesse bewusst wahrgenommen, reflektiert und verstanden werden.
Eine Leistungsverbesserung wird wahrscheinlicher, wenn eine Aufgabe einfach und verständlich erklärt sowie anschließend eingeübt wird. Der Einzelne wird sich jedoch möglicherweise weniger anstrengen, wenn er weiß, dass sein individueller Beitrag zum Gruppenergebnis nicht konkret feststellbar oder nicht ausreichend anerkannt wird.
Wie ist es in unseren Betrieben? Wollen wir gehorsame Gefolgsleute? Oder ist es nicht sinnvoller, mit einem Kreis motivierter Mitarbeiter zu arbeiten und gemeinsam erfolgreich zu sein?
Gehorsame Beschäftigte sind in der Regel weder besonders kreativ noch kritisch. Häufig orientieren sie sich daran, so zu denken und zu handeln wie andere. Bereits die bloße Zugehörigkeit zu einer Gruppe kann dazu führen, dass sich Verhalten und Einstellungen verändern.
Positiver wie negativer Einfluss ist daher ein wesentliches Ergebnis sozialer Interaktion. Wenn wir unsere Ziele leichter und besser erreichen wollen, sollten wir den bewussten Umgang mit diesen Formen der Beeinflussung ebenso wie ein ehrliches und offenes Verhalten stärker fördern und einüben.
Erfolg durch ganzheitlichen Erkenntnisprozess
Alle Beteiligten im Unternehmen müssen ausreichend Gelegenheit erhalten, die von ihnen zu gestaltenden Beiträge und Aktivitäten sowie deren positive und negative Auswirkungen kennenzulernen.
Zielorientiertes soziales Verhalten dient sowohl dem Einzelnen als auch der Gemeinschaft. Dies ist jedoch nicht immer ausreichend bewusst. Wer kennt beispielsweise die weiteren Erfordernisse und Möglichkeiten der Verkaufsförderung? Welche Bereiche in unseren Unternehmen liegen brach? Gestatten und fördern wir ganzheitliches Denken überhaupt?
Woher soll die Kreativität kommen, die Unternehmen benötigen, wenn sie nicht auch von der Führungsebene aus gefördert wird?
Erfolgreiche Teilnahme an sozialer Interaktion bedeutet, das Verhalten anderer Menschen im Unternehmen wahrzunehmen, zu interpretieren und möglichst einzuschätzen. Gleichzeitig gehört dazu die Fähigkeit, eigene Gedanken, Gefühle und Absichten verständlich und angemessen mitzuteilen.
Unzureichendes Sozialverhalten bleibt häufig so lange unbewusst, wie wir uns nicht mit den notwendigen Erkenntnisprozessen auseinandersetzen – insbesondere mit den Prozessen der Interaktion und des zielorientierten sozialen Verhaltens.
Was zum Erfolg beiträgt
Ein umfassendes Erfolgsverständnis dient
- als Mittel für eine effizientere Führung,
- zur Aufdeckung, Lösung und Beseitigung von Problemen sowie
- zur Schaffung und Nutzung von Erkenntnisgewinn.
Ein wesentlicher Erkenntnisgewinn besteht darin, das Wissen und die Erfahrungen aller Arbeitsbereiche wahrzunehmen, zu beurteilen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen – ohne alles unmittelbar anordnen zu müssen.
Mitarbeiter müssen die Möglichkeit erhalten, nicht nur Anweisungen auszuführen, sondern ihr Wissen und ihre Erfahrungen wirksam einzubringen. Dieser wichtige Erkenntnisgewinn sollte bewusst beachtet und für einen besseren Unternehmenserfolg genutzt werden.
Davon profitieren nicht nur die Arbeitszufriedenheit und die Produktivität. Auch Innovation und Wettbewerbsvorsprung können sich dadurch nachhaltig verbessern.
Erfolg entsteht somit nicht allein durch bessere Anweisungen, sondern durch gemeinsames Erkennen, Verstehen, Mitdenken und Handeln.

